Unser Cheftrainer nahm sich kurz vor den Weihnachtsfeiertagen noch die Zeit, um mit uns gemeinsam die erste Saisonhälfte seit seinem Amtsantritt vor exakt 176 mit Hinblick auf die derzeitige Winterpause sowie die verbleibenden Aufgaben der aktuellen Spielzeit Revue passieren zu lassen.

Hallo Pascal, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Die SG befindet sich – was den sportlichen Bereich angeht – nun seit rund zwei Wochen in der wohl verdienten Winterpause. Kurz und knapp: Wie bewertest du diese erste Saisonhälfte seit deinem Amtsantritt?

Pascal Reinhardt:  „In Summe können wir mit der ersten Saisonhälfte zufrieden sein. Nach einer kurzen Sommerpause, dem vorigen negativen Erlebnis in der Relegation und einer neuen Spielidee mit einem neuen Trainer ist es nicht selbstverständlich, dass wir nicht nur gute Ergebnisse erzielt, sondern phasenweise auch wirklich schönen sowie ansehnlichen Fußball gespielt haben. Wir waren bis auf einen Spieltag immer an der Tabellenspitze, sind Tabellenführer zur Winterpause und haben außerdem das Viertelfinale im wfv-Pokal erreicht. Das sind aber nach wie bislang nur schöne Teilerfolge, an die wir dann nach der Winterpause anknüpfen wollen.“

Du bist jetzt seit exakt 176 Tagen als Cheftrainer bei der SG im Amt. Was war dein persönliches Highlight in dieser Zeitspanne?

Mein größtes Highlight ist jede Trainingseinheit mit den Jungs. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie professionell und mit welcher Intensität sie jedes Training angehen. Jeder hat die Mentalität verinnerlicht, dass jedes Training – den einzelnen Spieler, aber auch die gesamte Mannschaft – weiterbringen und auf ein neues Level heben soll.

Gib uns doch mal einen Einblick in deine tägliche Arbeit. Wie sehen die Abläufe aus, wie gehst du am Wochenanfang die Vorbereitung für eine bevorstehende Partie an, gerade auch was die Arbeit mit deinem Trainerteam betrifft?

Zuerst einmal wird das vergangene Spiel aufgearbeitet und analysiert. Am Anfang einer Woche geht es darum, unser Spiel zu optimieren und gleichzeitig Fehler zu minimieren. Währenddessen beschäftigt sich mein Co-Trainer Daniel Güney schon mit dem nächsten Gegner und bereitet die Videoanalyse vor, welche in enger Absprache mit mir stattfindet. Während den Trainingseinheiten und in Besprechungen werden immer wieder Informationen über den kommenden Gegner herausgegeben, um bestmöglich vorbereitet zu sein, ohne aber die Mannschaft mit Infos zu überfrachten. Die Trainingseinheiten werden im Trainer-Team gemeinsam geplant – gegnerorientiert und ohne unser eigenes Spiel zu vernachlässigen. Unsere Zusammenarbeit im Trainer-Team ist großartig und die Aufgabenverteilung ist klar.

Du warst zuvor als Coach beim Liga-Konkurrenten FC Holzhausen tätig. Wie groß waren bzw. sind die Unterschiede zwischen beiden Clubs?

Es gibt zwischen beiden Vereinen tatsächlich einige Parallelen. Beide sind sehr familiär geführte Vereine und das zwischenmenschliche genießt hohe Priorität – beides sind Dorfklubs. Trotzdem gibt es natürliche einige Unterschiede in Sachen Größe und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Aufgrund der Historie und des Werdegangs in den letzten Jahren hat die SG natürlich eine deutlich bessere Infrastruktur, ist professioneller aufgestellt und hat viele Nachwuchsteams in den höchsten Spielklassen Baden-Württembergs. Die Arbeit mit der Mannschaft ist durch die höhere Anzahl an Trainingseinheiten intensiver und detaillierter. Die meisten Spieler sind deutlich vor Trainingsbeginn vor Ort, sie ordnen dem Fußball alles unter und jeder hat dabei einen hohen Anspruch an sich selbst.

Ihr geht als Spitzenreiter der Liga in die Winterpause. 14 Spiele sind insgesamt noch zu absolvieren, angefangen mit dem Top-Spiel gegen den direkten Tabellennachbarn FC 08 Villingen Anfang März. Dürfen sich die Anhänger schon Hoffnungen auf einen Aufstieg in die Regionalliga machen oder gilt es noch auf die Euphoriebremse zu drücken?

Vor allem durch die vergangene Saison und unseren starken Start in die aktuelle Spielzeit ist die Erwartungshaltung natürlich groß. Die Tabellenführung zur Winterpause ist ein schönes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, aber auch nicht mehr. Wir wollen die lange Winterpause nutzen, um Kraft zu tanken und durchzuatmen. Auch wenn es abgedroschen und langweilig klingt, wollen wir zum Auftakt in Villingen auf den Punkt bereit sein und in jedem Spiel den maximalen Erfolg erzielen. Den Platz an der Spitze wollen wir natürlich nicht mehr abgeben, trotzdem müssen wir demütig bleiben und weiterhin hart arbeiten, um dann auch die verbleibenden 14 Spiele positiv zu gestalten.

Mit 52 Treffern stellt die SG die zweitbeste Offensive der Liga und hat mit gerade einmal 18 Gegentoren gar die beste Defensive der Liga vorzuweisen. Was ist dir wichtiger in deiner Herangehensweise: Die Offensive oder die Defensive?

Das eine schließt das andere mit ein, die Balance ist für mich wichtig und entscheidend. In allen bisherigen 20 Spielen hatten wir den höheren Anteil an Ballbesitz und haben einen sehr dominanten Fußball gespielt. Daher legen wir im Training viel Wert auf unser Positionsspiel in Ballbesitz, das ist für den Umschaltmoment nach Ballverlust entscheidend. Aus dem Spiel heraus haben wir nur elf Gegentore bekommen, das spricht für eine enorme Bereitschaft jedes Einzelnen nach Ballverlust. Meine Herangehensweise steht für offensiven, attraktiven und mutigen Fußball, mit einem hohen Pressing-Faktor. Letztendlich geht es ganz simpel darum, in jedem Spiel mindestens ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Unsere DNA ist es daher auch ganz klar, dass wir nie nachlassen und immer gierig sein wollen, ein Tor zu erzielen. Auch wenn wir bereits mit zwei oder drei Toren in Führung liegen ist es unser Anspruch, immer nochmal nachlegen zu wollen.

Trotz der Tabellenführung musste sich unsere Mannschaft in dieser bisherigen Saison auch vier Mal geschlagen geben. Auswärts jeweils in Mannheim, Bietigheim-Bissingen, Gmünd sowie zuhause gegen Hollenbach. Warum hat es gerade auswärts das ein oder andere Mal nicht für Punkte gereicht?

In diesen Spielen hatten wir trotz der Niederlagen in jedem Spiel auch richtig gute Phasen. Leider ist es uns aus unterschiedlichen Gründen nicht gelungen diese Konstanz über 90 Minuten auf den Platz zu bringen. Das Spiel in Mannheim ausgenommen, waren es absolut unnötige und vermeidbare Niederlagen. In unserer Art Fußball zu spielen, machen wir keinen Unterschied, ob wir zu Hause oder auswärts antreten. Nichtsdestotrotz befinden wir uns immer noch in einem Entwicklungsprozess, welchen wir weiter vorantreiben wollen und ich uns hier auf einem sehr guten Weg sehe.

Du bist mit 31 Jahren einer der jüngsten Trainer der Liga, der ein oder andere Spieler im Kader der SG ist älter als du, manche sind nur ein paar Jahre jünger. Spielt das eine Rolle für dich, was die Autorität angeht oder ist das überhaupt kein Thema?

Das Alter der Spieler spielt für mich keine Rolle. Wieso sollte es dann für die Spieler eine Rolle spielen, wie alt ich bin? Es geht nur um Leistung, solange die Jungs an unseren Plan glauben, ihn umsetzen und er funktioniert, kriegen wir auch keine Probleme miteinander (lacht) Spaß beiseite. Von Anfang an war der Austausch mit den Spielern sehr eng und vertraut. Wir haben eine gute Basis und Struktur in unserem Kader. Der gemeinsame Erfolg steht über allem und dem ordnet sich jeder unter.

Bleiben wir doch direkt beim Alters-Thema. Die SG stellt mit gerade einmal 23,3 Jahren die jüngste Mannschaft der Oberliga BW. Mit den 18-jährigen Lukas Stoppel, Janis Gesell, Steffen Bönisch und Noah Vrbek kamen in der bisherigen Saison bereits Spieler zum Einsatz, die noch in der U19 spielberechtigt sind. Ist das unter anderem auch ein Ansatz für eure erfolgreiche Arbeit?

In allererster Linie spricht das für die Jugendarbeit der SG. Die Zusammenarbeit sowie der Austausch mit den Jugendtrainern sind mir enorm wichtig. Wir achten sehr darauf, immer wieder junge Talente in unser Training einzubinden und diese zu fördern. Es macht sehr viel Spaß die Jungs auf ihrem Weg zu begleiten, sie weiterzuentwickeln und ihnen zu helfen. Alle sind enorm lernwillig und identifizieren sich mit dem Konzept der SG. Wir haben ein großes Vertrauen in die Jungs, wichtig ist für sie weiter bodenständig zu bleiben und weiter hart zu arbeiten.

Der Statistik zufolge hat die SG von den 52 erzielten Toren beachtliche 34 in der zweiten Halbzeit erzielt und damit fast die Hälfte. Wie ist das zu erklären? Tastet ihr euch langsam in die Partie und ordnet im zweiten Durchgang dann alles der bedingungslosen Offensivpower unter?

Die meisten Mannschaften haben in den Spielen gegen uns sehr viel investiert und mussten weite Wege gehen, um die Lücken zu schließen. Über die Dauer eines Spiels entstehen automatisch größere Räume und unsere Geduld im Angriffsspiel zahlt sich aus.  Wir haben immer den Glauben ein Tor zu schießen oder einen Rückstand zu drehen, egal wie lange das Spiel noch geht. In den Trainingseinheiten gehen wir ein hohes Pensum, um in den Spielen maximale Intensität über die volle Distanz gehen zu können. Ebenfalls spricht es auch für unsere Einwechselspieler, welche immer wieder frischen Wind in die Partie bringen und nochmal für Gefahr sorgen können.

Das geplante Programm in der anstehenden Wintervorbereitung liest sich mit den zahlreichen Testspielen als äußerst „knackig“. Bist du eher ein Freund der alten Schule, was die Trainingsmethodik angeht oder lässt du dich auch gerne mal der Laptop-Trainer-Schiene zuordnen?

Es  fällt mir schwer mich da eine der beiden Schubladen zuordnen zu lassen. Ich versuche meinen eigenen Stil zu kreieren und mich stetig weiterzuentwickeln. Immer wieder neuer Input und komplexe Übungsformen in den Trainingseinheiten, ohne den Fußball neu zu erfinden, ist mir wichtig - der Spaß darf dabei nie fehlen. Der Laptop ist ein ständiger Begleiter, das ist heutzutage fast unabdingbar und gar nicht anders möglich. Natürlich ist die Arbeit auf dem Platz entscheidend, allerdings ist die Art der Kommunikation und der Austausch mit den Spielern ein großer Faktor und spielt in meiner täglichen Arbeit eine große Rolle. Wir haben in der Vorbereitung sieben Testspiele, in denen jeder die Chance bekommen wird, sich zu beweisen und den Spielern, die momentan etwas Vorsprung haben Druck zu machen.

Mal einen Schwenker rüber zur aktuellen Weihnachtszeit. Wie verbringst du die Feiertage?

Relativ entspannt. Die Feiertage verbringe ich zu Hause in der Heimat mit meiner Freundin und ihrer bzw. meiner Familie. Einfach abschalten, die Zeit genießen und versuchen nicht über Fußball nachzudenken, auch wenn das kaum möglich ist (lacht).

Hätte dir jemand vor einem Jahr gesagt, dass du im darauffolgenden Jahr zur selben Jahreszeit als Cheftrainer der SG Sonnenhof Großaspach auf dem ersten Tabellenplatz in der Oberliga BW stehst, was hättest du da gedacht?

Auf der einen Seite hätte ich die Person für verrückt erklärt, auf der anderen Seite hätte ich mich wahrscheinlich schnell an den Gedanken gewöhnen können. Der Fußball ist bekanntermaßen sehr schnelllebig und nicht planbar. Ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein und werde weiterhin mein bestmögliches Tun, um den Verein wieder dahinzuführen, wo er auch hingehört. 

Zum Abschluss: Gibt es noch etwas, das du an dieser Stelle dringend loswerden möchtest?

Ich wünsche allen Anhängern, Freunden, ehrenamtlichen Helfern, Sponsoren und Mitarbeiter der SG-Familie schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins hoffentlich erfolgreiche Jahr 2024. 


Foto-Credit: Tobias Sellmaier

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