Leverkusen – das ist nicht nur der Ort, an dem einst im Jahre 1897 „Aspirin“ von einem gewissen Felix Hoff mann erfunden wurde, sondern auch die Heimat eines Fußballklubs, der in den letzten Jahren für reichlich Kopfschmerzen bei seinen Gegnern gesorgt hat: Die Rede ist natürlich von Bayer 04.

Die „Werkself“ kommt nämlich nicht mehr als ewiger Zweiter ums Eck, sondern hat sich spätestens mit dem ehemaligen Trainer Xabi Alonso am Ende der Saison 2023/24 zu einem echten Titelkandidaten gemausert. Und wenn Bayer 04 in die Stadien kommt, ist eines völlig klar: Hier wartet ein Gegner mit viel Qualität, Tempo und spielerischer Klasse. Die Werkself hat sich in den vergangenen Jahren still und stetig weiterentwickelt – und spätestens seit Trainer Xabi Alonso spielt man auf einem Level, das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa für Aufsehen sorgt.

Denn historisch gesehen ist Leverkusen ohnehin längst mehr als nur der Klub aus der Werkssiedlung. Auch wenn man in der Vergangenheit häufiger kurz vor der Ziellinie scheiterte – etwa bei der Vize-Meisterschaft 2000 oder dem verlorenen Champions-League-Finale 2002 gegen Real Madrid – gehört Bayer 04 seit Jahrzehnten zu den festen Größen im deutschen Fußball. Die Liste an einstigen Weltklasse-Spielern mit Legenden-Status geht beinahe ins Endlose. Rudi Völler, Bernd Schneider, Michael Ballack, Jens Nowotny, Carsten Ramelow, Zé Roberto, Lucio, Toni Kroos, Emerson oder auch Dimitar Berbatov sind nur wenige Beispiele aus dieser elitären Kategorie. International sorgen die Rot-Schwarzen regelmäßig für Erfolge: 1988 gewann die Werkself den UEFA-Pokal, 2002 schrieb sie mit dem Erreichen von gleich drei Finals (Champions League, DFB-Pokal und letzter Bundesliga-Spieltag) Geschichte – auch wenn letztendlich noch kein Titel heraussprang. Die Saison 2023/24 sollte dann wiederum alles bisher Erreichte in den Schatten stellen. Die Alonso-Elf blieb über 50 Pflichtspiele ungeschlagen – ein neuer Rekord im deutschen Profifußball. Dem erstmaligen Gewinn der Deutschen Meisterschaft folgte kurze Zeit später der zweite DFB-Pokalsieg der Vereinsgeschichte. Beinahe wäre den Leverkusenern dann sogar noch der sagenhafte Gewinn des Triples gelungen, doch der italienische Finalgegner Atalanta Bergamo erwies sich als echter Partycrasher und entschied das Finale der UEFA Europa League am Ende mit 3:0 für sich. Inzwischen hat sich Leverkusen damit endgültig von seinem „Fast"-Image gelöst. Die Mannschaft ist gereift, hungrig und besitzt eine klare Handschrift. Und die Erfolge der letzten Monate sprechen für sich: Bayer 04 gehört aktuell zu den spannendsten Teams Europas – und bringt alles mit, was es für Spitzenerfolg braucht.

Doch diese durchweg positiven Entwicklungen wecken bekanntlich auch Begehrlichkeiten. Nach dem Gewinn des Doubles 2024 und dem anschließenden 2. Tabellenplatz am Ende der abgelaufenen Saison haben die Leverkusener einen regelrechten Umbruch vollziehen müssen, was den Kader betrifft.

Auf den zu Real Madrid abgewanderten Erfolgstrainer Xabi Alonso folgte Erik Ten Hag, welcher zuletzt bei Manchester United und zuvor unter anderem bereits für Ajax Amsterdam sowie die zweite Mannschaft des FC Bayern München als tonangebender Mann an der Seitenlinie aktiv war. Gleichzeitig hatte auch der Kader von Bayer 04 gleich mehrere schmerzhafte Abgänge von einstigen Leistungsträgern zu verzeichnen. Florian Wirtz wechselte für die Rekordablöse von 125 Mio. € zum FC Liverpool. Dem Ruf des englischen Meisters folgte schließlich auch Jeremie Frimpong für eine Ablösesumme von 40 Mio. €. Darüber hinaus vermeldete Bayer 04 Leverkusen vor wenigen Wochen auch Vollzug in der Personalie Granit Xhaka. Zwischen Leverkusen und dem Premier League-Aufsteiger AFC Sunderland konnte eine Einigung über den Transfer des Kapitäns in Höhe von 15 Mio. € erzielt werden. Innerhalb der Bundesliga musste der Doublesieger von 2024 außerdem Jonathan Tah ablösefrei zum FC Bayern München ziehen lassen. Die Dienste von Odilon Kossounou sicherte sich Atalanta Bergamo für rund 20 Mio. €. Die attraktiven Einnahmen von über 200 Mio. € reinvestierte Bayer 04 Leverkusen im Gegenzug für gleich mehrere vielversprechende Neuzugänge. Neu am Bayer Kreuz sind Malik Tillmann (für 35 Mio. € von der PSV Eindhoven), Jarell Quansah (für ebenfalls 35 Mio. € vom FC Liverpool), Ibrahim Maza (für 12 Mio. € von Hertha BSC), Mark Flekken (für 10 Mio. € vom FC Brentford), Christian Kofane (für 5,25 Mio. € von Albacete Balompié), Abdoulaye Faye (für 2,7 Mio. € vom BK Häcken), Farid Alfa-Ruprecht (für 1,3 Mio. € aus der U21 von Manchester City) sowie Axel Tape (ablösefrei aus der U23 von Paris SG).

Eine lange Zeit der Sommervorbereitung liegt auch hinter der Mannschaft von Neu-Coach Erik Ten Hag. Als erster Bundesligist absolvierte Bayer 04 Leverkusen sein Trainingslager in Südamerika. Genauer gesagt als „ES- QUENTA – Bayer 04 Brazil Tour“ vom 14. bis zum 24. Juli im brasilianischen Rio de Janeiro. Zum Start in die Reihe der zahlreichen Testspiele folgte zunächst eine ernüchternde 1:5-Niederlage gegen die U20-Mannschaft von Flamengo Rio de Janeiro. Nach der Rückkehr nach Deutschland gewann Bayer 04 wiederum den zweiten Test der Vorbereitung souverän mit 2:0 beim VfL Bochum. Und auch die beiden darauffolgenden Partien nutzte Leverkusen jeweils als erfolgreichen Test und siegte sowohl gegen Fortuna Sittard (2:1), als auch gegen Pisa Sporting Club (3:0). Die Generalprobe am vergangenen Freitag beim FC Chelsea ging mit 0:2 verloren.

Nun steht für die Werkself mit der Erstrunden-Partie im DFB-Pokal das erste Pflichtspiel der Saison 2025/26 an und alle Augen werden auf das Team von Erik Ten Hag gerichtet sein und darauf, ob und wie Bayer 04 Leverkusen auch in dieser Saison wieder seinen ambitionierten Zielen gerecht werden kann.

Fotocredit: Bayer 04 Leverkusen

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