Zeit für einen ersten Rückblick auf die vergangenen Wochen. Wir haben mit unserem Cheftrainer Laki Sbonias über die bislang maximale Punkteausbeute in der Oberliga BW, hevorragende Nachwuchs-Power, nostalgische Gedankengänge und die Heimspiel-Atmosphäre in Aspach gesprochen.
Hallo Laki, vier Spiele, vier Siege und somit die maximale Punkteausbeute aus den bisherigen Saisonspielen in der Oberliga BW sowie gleichzeitig die Tabellenführung mit vier Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten. Was ist das Geheimnis eures starken Auftakts?
Wenn man in eine Saison startet, spielen immer mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Ein großer Faktor war, nachdem wir wirklich eine schwierige Vorbereitung hatten, mit dem Gipfel des Pokal-Ausscheidens in Bad Boll, dass sowohl Mannschaft als auch Trainerteam extrem schnell die richtigen Schlüsse daraus ziehen und hart an einem Plan für das erste Spiel in Nöttingen arbeiten. Dann war es schließlich so, dass uns ein überzeugender Sieg in Nöttingen gelingt und so ein Erfolg dann auch schnell wieder andere Prozesse auslösen kann. Diese haben wir in den darauffolgenden Trainingswochen weiter ausgebaut und dadurch kommt so eine Serie auch mal zustande. Das Wichtigste aber ist: Die Mannschaft verinnerlicht immer mehr, dass Intensität und Einsatz nicht verhandelbar sind und die grundlegende Basis für unser Spiel. Klar ist auch, wenn wir nur ein Prozent von dieser Intensität herausnehmen, kann das Pendel auch ganz schnell in die andere Richtung umschwenken. Das muss uns allen klar sein. Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, dass uns die aktuelle Tabellenkonstellation nach vier Spieltagen ziemlich egal ist. Wir versuchen, die Dinge Schritt für Schritt abzuarbeiten, die vor uns liegen. Ich weiß dieser Satz „von Spiel zu Spiel denken“ ist einer fürs Phrasenschwein, aber das ist eben nun mal auch die absolute Wahrheit.
Mit Nico Engel und Niklas Mohr sind seit dem ersten Spieltag zwei 18-Jährige - die normalerweise noch in der U19 spielen dürften – fester Bestandteil der Oberliga-Mannschaft. Beide kamen bislang in allen Partien zum Einsatz, zweimal sogar von Beginn an, Nico Engel traf sogar bereits doppelt. War das so geplant?
Das ist ein gutes Stichwort, um die bisherigen Leistungen auch richtig einzuordnen. Am Samstag nach der verletzungsbedingten Auswechslung nach fünf Minuten von Kapitän Manuel Konrad und den Einwechslungen von Niklas Mohr und Jannik Pfänder, standen mit Engel (18), Mohr (18) und Pfänder (18) - wobei wie erwähnt Engel und Mohr noch U19-spielberechtigt sind – drei 18-Jährige auf dem Platz. Nico und Niklas haben sich den Platz im Kader durch gute Leistungen in der Vorbereitung verdient und machen das bisher hervorragend. Die Aufgabe des Trainer-Teams ist es aber auch, diese Jungs nicht zu verheizen und Stück für Stück zu entwickeln. Gleichzeitig ist es aber auch ein klares Signal für die Zukunft, wofür der Dorfklub stehen möchte und dass junge talentierte Spieler aus der Region hier die Möglichkeit bekommen, sich unter professionellen Strukturen optimal weiterzuentwickeln.
Mit elf Toren stellt die SG momentan auch die beste Offensive der Liga. Was aber besonders auffällt: Die elf Treffer sind auf sechs verschiedene Torschützen verteilt. Macht das die Mannschaft im Hinblick auf die verbleibenden 30 Saisonspiele unberechenbarer?
Als Trainer freut man sich natürlich über solche Zahlen, da es immer gut ist, wenn Torgefahr auf mehrere Schultern aufgeteilt und man somit natürlich auch unberechenbarer ist. Diese Statistik spricht aber auch für die Mannschaft, die immer mehr zusammenwächst und somit jeder bestrebt ist, auch den besser postierten Nebenmann zu sehen. Die Jungs gönnen sich alles untereinander und das ist die Grundlage.
Vier Liga-Siege in Serie gab es zuletzt in der Drittliga-Saison 2017/18 vom 13. bis 16 . Spieltag (Chemnitzer FC, SF Lotte, Werder Bremen II und Rot-Weiß Erfurt). Fünf Liga-Siege in Folge gabs gleich zweimal in der Aufstiegssaison der Regionalliga 2013/14 und sechs Liga-Siege in Serie zuletzt in der Oberliga BW-Meistersaison 2008/09 unter Coach Thomas Letsch. Hand aufs Herz: bietet das schon nostalgischen Spielraum für die kommenden Aufgaben oder Zeit für die Euphorie-Bremse?
Jeder der mich kennt, weiß auch, dass ich nicht der große Nostalgiker bin und Fußball knallhartes Tagesgeschäft ist. Deshalb lebe ich auch lieber im „Hier und Jetzt“ und konzertiere mich darauf, was vor uns liegt. Die ersten Spiele haben ganz klar gezeigt, dass wir noch Luft nach oben haben und gut daran tun, weiter hart zu arbeiten und demütig zu bleiben. Was aber die ersten Spiele auch gezeigt haben: Wenn wir an unserem Maximum arbeiten, ist es auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig, gegen uns Fußball zu spielen.
Was hat dir in den bisherigen Partien bislang so überhaupt nicht gefallen und wo siehst du noch den größten Handlungs- bzw. Verbesserungsbedarf?
Was auf jeden Fall verbesserungswürdig ist, ist das Ausspielen unserer Konter und die Phasen, in denen wir keinen Zugriff auf das Spiel haben, so kurz wie möglich halten. Unser Fußball ist von klaren Prinzipien in Offensive und Defensive geprägt. Diese muss die Mannschaft weiter verinnerlichen.
Abschließend: Du warst nun als Cheftrainer in zwei Heimspielen an der Seitenlinie, einmal am Freitagabend sowie am vergangenen Sonntagnachmittag. Wie hast du die Atmosphäre wahrgenommen?
Man muss auch ganz ehrlich sagen, dass die Atmosphäre hier einzigartig ist, sehr familiär und sehr angenehm. Das Freitagabendspiel gegen Bietigheim-Bissingen hat gezeigt, was für eine Stimmung hier herrschen kann und ich hoffe, dass die Zuschauer am nächsten Freitagabend-Spiel gegen Ravensburg genauso zahlreich erscheinen werden und uns wieder lautstark unterstützen werden. Was wir im Gegenzug garantieren können, ist auf jeden Fall Herz, Leidenschaft und bedingungsloser Einsatz.
Fotocredit: Alex Becher